Tierschutzorganisationen fordern Schweizer Import- und Transitverbot für Jagdtrophäen
Der Nationalrat wird voraussichtlich in der Sommersession eine Motion zum Importverbot von Jagdtrophäen behandeln. Jedes Jahr kostet die Trophäenjagd auf Eisbären, Löwen, Elefanten und andere, teilweise stark gefährdete Arten Tausenden von Tieren das Leben. OceanCare, Animal Trust, Pro Wildlife und die Stiftung für das Tier im Recht (TIR) fordern daher gemeinsam mit Nationalrätin Maya Graf ein Einfuhr- und Durchfuhrverbot von Jagdtrophäen für die Schweiz. Prominente Unterstützung bekommen sie von Seiten Hannes Jaenicke, deutscher Schauspieler und Umweltaktivist, der sich in einem Videoclip von OceanCare für ein Importverbot ausspricht.
31.05.2016
Weltweit hat die Biodiversität in den letzten Jahrzehnten dramatisch abgenommen. Lebensraumverlust, Wilderei und weltweiter Handel sind nur einige Gründe für das fortschreitende Artensterben. Doch auch die legale Jagd auf gefährdete und international geschützte Arten wie Löwen, Elefanten, Nashörner oder Eisbären bedroht ganze Tierbestände. Mit dem Tod des Löwen Cecil ist das umstrittene Thema einmal mehr in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt.
Insbesondere Afrika ist wegen seiner „Big Five“ (Löwe, Elefant, Nashorn, Leopard und Büffel) beliebtes Reiseziel für Trophäenjäger aus aller Welt. Jährlich werden dort mehr als 100'000 Wildtiere durch Auslandsjäger getötet. Die erlegten Tiere dürfen in der Regel mit entsprechenden Genehmigungen als Trophäe mit nach Hause genommen werden. Jagdsafaris und die Mitnahme der Trophäe sind legal, wenn die entsprechenden afrikanischen Landesgesetze sowie die jeweiligen Aus- und Einfuhrbestimmungen eingehalten wurden, d.h. insbesondere die CITES-Genehmigungen vorliegen. Viele der begehrten Tierarten fallen nämlich unter den Schutz des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES). Während nach der Konvention der kommerzielle Handel mit stark bedrohten Arten zumindest verboten ist, können für die Trophäenjagd jedoch Ausnahmen zugelassen werden (siehe TIR-Newsmeldung vom 3. März 2016).
Für den Jagdtourismus wird oft ein Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt und zur Armutsbekämpfung behauptet. Diese Argumentation ist jedoch in höchstem Grade umstritten, wie etwa ein Bericht des Ökonomen-Netzwerks Economists at Large zeigt. Die Einnahmen aus der Jagd landen demnach meist nicht bei der Landbevölkerung, sondern bei den veranstaltenden, zumeist ausländischen Unternehmen. Die Jagd ist ausserdem stark von Korruption betroffen und begünstigt mitunter die Wilderei, da legal und illegal gejagte Trophäen nicht voneinander unterschieden werden können. Abschussquoten basieren zudem häufig nicht auf wissenschaftlichen Daten und werden daher meist willkürlich festgesetzt. Trophäenjäger begehren zudem gerade die stärksten Tiere mit den grössten und schönsten Trophäen, die jedoch gerade für die Arterhaltung am wichtigsten sind.
Die Trophäenjagd verursacht neben Artenschutz- auch erhebliche tierschutzrelevante Probleme. So werden nicht selten Jagdmethoden angewandt, die in der Schweiz aus tierschutzrechtlichen Gründen verboten sind, wie beispielsweise die Jagd mit Pfeil und Bogen. Fehlschüsse von Hobbyjägern führen zu erheblichen Leiden bei den betroffenen Tieren. Eine in moralischer und auch besonders in tierschutzrechtlicher Hinsicht bedenkliche Form der Trophäenjagd stellt die Gatterjagd dar („Canned Hunting“): Halbzahme auf Farmen gezüchtete Tiere werden für den Abschuss in umzäunte Gebiete gebracht und ihren Jägern „auf dem Silbertablett“ präsentiert (TIR-TIPP: aktuelle Reportage auf 3sat: Halali in Afrika –Das Geschäft mit der Grosswildjagd).
Der Wert eines Tieres bemisst sich für die meisten Jäger nur an der Trophäe. Das Töten von Tieren allein aus Freude an der Jagd widerspricht der hierzulande anerkannten Würde diametral. Mit einem Importverbot für Jagdtrophäen dürften Jäger ihre Trophäen nicht mehr einführen. Die Schweiz könnte hier eine wichtige Vorreiterrolle für den Schutz gefährdeter Tierarten übernehmen. Denn auch in die Schweiz werden jährlich zahlreiche Trophäen von international geschützten Tierarten eingeführt. Vorgemacht hat es zuletzt die Niederlande, die vor einigen Wochen ein Importverbot für 200 Wildtierarten verabschiedet hat.
In der Sommersession (30. Mai bis 17. Juni 2016) wird der Nationalrat voraussichtlich die von Nationalrätin Maya Graf übernommene Motion zum Importverbot von Jagdtrophäen behandeln. Um gegenüber dem in der Verantwortung stehen Parlament ein Zeichen zu setzen, empfiehlt die TIR die Unterzeichnung der von OceanCare initiierten Petition für ein Import- und Transitverbot von Jagdtrophäen. Sollte die Petition in dieser Session behandelt werden, wird sie vorgängig dem Schweizer Parlament überreicht werden.