Seminar zum Tierschutzstrafrecht - Erfolgreiche Zusammenarbeit von TIR und Uni Zürich
Mit einem Seminar zum Tierschutzstrafrecht konnte die Stiftung für das Tier im Recht (TIR) in Zusammenarbeit mit dem Lehrstuhl von Prof. Dr. iur. Daniel Jositsch zahlreiche Studentinnen und Studenten für das Tierschutzrecht begeistern. Die Veranstaltung war aus der Sicht aller Teilnehmenden ein voller Erfolg.
04.04.2011
Bereits zum dritten Mal nach 2005 und 2007 hat die TIR in Zusammenarbeit mit der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich ein Seminar zum Tierschutzrecht durchgeführt. Die Veranstaltung fand am 30. und 31. März in Bern und Zürich statt. Die aus rund 100 Interessenten rekrutierten 18 Studentinnen und Studenten hatten im Vorfeld des zweitägigen Veranstaltungsprogramms ausführliche Seminararbeiten zu verfassen, wobei der Fokus dieses Mal auf die strafrechtlichen Aspekte des Tierschutzrechts gelenkt wurde.
Das breite Themenspektrum reichte von der Problematik des "Animal Hoarding" über Sport mit Tieren, Qualzuchten, Exotenhaltung und Tierversuche bis hin zu strafrechtlichen Fragestellungen im Bereich der Jagd und Fischerei. Ebenso behandelt wurden etwa das Phänomen der Zoophilie (Sexualität mit Tieren), der Straftatbestand der Vernachlässigung von Tieren, die Rechtskonformität von Massnahmen zur Schädlingsbekämpfung, das Problem der Anonymitätszusicherung an Anzeiger von Tierschutzdelikten oder die Frage, ob Verstösse gegen das Tierschutzrecht im jugendlichen Alter einen Indikator für spätere Gewaltdelinquenz darstellen können.
Das abwechslungsreiche Seminar wurde an verschiedenen Schauplätzen durchgeführt. Am ersten Tag stand eine Reihe interessanter Vorträge im Bundeshaus in Bern auf dem Programm. Den Anfang machte Dr. iur. Antoine F. Goetschel, früherer Geschäftsleiter der TIR und ehemaliger Tieranwalt des Kantons Zürich. Er berichtete über seine Erfahrungen und die Entwicklungen im Tierschutzstrafrecht der letzten 25 Jahre. Im Anschluss referierte Nationalrätin Maya Graf (GP/BL) über die Durchsetzung tierschutzrechtlicher Anliegen auf politischer Ebene. Dabei gab sie einen interessanten Einblick in die politischen Entscheidungsprozesse in Tierschutzsachen.
Nach dem gemeinsamen Mittagessen in der Galerie des Alpes präsentierte Prof. Dr. med. Frank Urbaniok den Seminarteilnehmenden hoch spannende Ausführungen über asymmetrische Machtbeziehungen und den Zusammenhang von Tierquälerei und anderen Straftaten. Der forensische Psychiater und Chefarzt des Psychiatrisch-Psychologischen Dienstes des Kantons Zürich wies dabei unter anderem darauf hin, dass viele Gewaltstraftäter in jüngeren Jahren bereits durch Tierquälereien auffällig werden und Tierschutzverstösse daher durchaus ein möglicher Indikator für spätere Gewaltdelikte sein können.
Nach den Referaten folgte eine spannende Führung durch die eindrücklichen Räumlichkeiten des Bundesgebäudes. Daraufhin begaben sich die Seminarteilnehmer auf einen Spaziergang durch das Berner Mattenquartier, um anschliessend im berühmten Café Fédéral gemeinsam zu Abend zu essen.
Der zweite Seminartag fand in Zürich statt: Bereits um 6 Uhr morgens stand eine Besichtigung des städtischen Schlachthofs auf dem Programm. Die transparente Betriebsführung, die den gesamten Ablauf der Anlieferung von Schweinen und Kälbern über ihre Betäubung und Schlachtung bis hin zur Verarbeitung unbeschönigt zeigte, war eindrücklich und bedrückend zugleich. Zum Abschluss des Seminars referierte Prof. Dr. med. vet. Andreas Pospischil am Tierspital über die Möglichkeiten und Grenzen der Forensik in der Veterinärmedizin. In seinen interessanten Ausführungen zeigte er die mittlerweile zahlreichen Möglichkeiten auf, wie Tierquälereien auf medizinischem Wege nachweisbar sind.
Aus Sicht der TIR war das Seminar ein voller Erfolg. Ein Grossteil der verfassten Arbeiten wird Eingang in die Bibliothek der TIR finden und auf diese Weise auch weiteren Interessierten zur Verfügung stehen. Wir bedanken uns bei den Verantwortlichen und Teilnehmenden noch einmal ganz herzlich für die gelungene Veranstaltung und hoffen, dass das Seminar allen in bester Erinnerung bleiben wird. Insbesondere möchte sich die TIR bei den Referentinnen und Referenten sowie Herrn Hofer, Direktor des Schlachthofs Zürich, für ihre interessanten Ausführungen bedanken. Ein nächstes Seminar zum Tierschutzrecht ist bereits in Planung. Die TIR ist überzeugt, auf diesem Weg zahlreiche Studentinnen und Studenten für die Thematik sensibilisieren zu können und damit einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung künftiger Fachkompetenzen im Bereich des Tierschutzrechts zu leisten.