TIR enttäuscht: Nationalrat lehnt Importverbot betreffend Jagdtrophäen und Hummern zu Speisezwecken ab
In der Sommersession 2017 hat sich der Nationalrat am 7. Juni gegen ein Importverbot von Jagdtrophäen bedrohter Tierarten ausgesprochen. Am 15. Juni lehnte er ausserdem ein Importverbot für lebende Hummer zu Speisezwecken ab. Die Stiftung für das Tier im Recht (TIR) bedauert die Haltung des Nationalrats. In beiden Fällen hat die Schweiz die Chance auf fortschrittliche Arten- und Tierschutzbestimmungen verpasst.
27.06.2017
Schätzungsweise 1'500 Jäger aus der Schweiz gehen jährlich auf Jagdreisen ins Ausland. Sind die Voraussetzungen des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES) eingehalten, dürfen selbst Trophäen gefährdeter und teilweise stark bedrohter Tierarten in die Schweiz eingeführt werden (mehr hierzu siehe TIR-Newsmeldung vom 3. März 2016). Als ein Argument für den Jagdtourismus wird nicht selten ein Beitrag zur Armutsbekämpfung behauptet. Als Einnahmequelle biete sie zudem Anreiz zum Erhalt der Wildtierbestände. Diese Argumentation ist jedoch in höchstem Masse umstritten. Korruption, lukrative Gewinne und mangelnde Kontrollen führen dazu, dass das Geld nicht bzw. nur in geringem Masse bei der Bevölkerung ankommt. Trophäenjäger begehren zudem gerade die stärksten Tiere mit den grössten Trophäen, die für die Arterhaltung besonders wichtig sind.
Dennoch hat der Nationalrat mit 118 zu 72 Stimmen am 7. Juni eine entsprechende Motion für ein Importverbot von Jagdtrophäen bedrohter Arten abgelehnt. Das Verbot sollte auch Jagdtrophäen erfassen, die aus sog. Gatterjagden stammen (mehr hierzu siehe TIR-Newsmeldung vom 27. Dezember 2016). OceanCare, Animal Trust und die TIR bedauern diesen Entscheid zutiefst. Die drei Organisationen hatten im Vorfeld der Abstimmung dem Parlament eine Petition mit über 12‘000 Unterschriften für ein Ein- und Durchfuhrverbot von Jagdtrophäen gefährdeter Arten überreicht (mehr hierzu siehe TIR-Newsmeldung vom 7. April 2017). Die Trophäenjagd ist nicht mehr zeitgemäss. Dass es auch anders geht, zeigten die Niederlande oder Frankreich, die ähnliche Regelungen für Importverbote von Tiertrophäen erlassen haben.
Ablehnend entschied der Nationalrat auch beim Importverbot für lebende Hummer zu Speisezwecken. Mit 109 zu 65 Stimmen bei 12 Enthaltungen sprach er sich gegen die Motion von Nationalrätin Maya Graf (Grüne/BL) aus. Die TIR kritisiert diesen Entscheid, denn der Lebendtransport, der sich über Wochen oder gar Monate hinziehen kann, ist aus Tierschutzsicht höchst problematisch.
Gemäss Angaben der Vereinigung der Schweizer Kantonstierärztinnen und -ärzte (VSKT) stammen bis zu 90 Prozent der Hummer, die in der Schweiz verkauft werden, aus Nordamerika. Um das ganze Jahr über ein gleich bleibendes Angebot bereitstellen zu können, werden die Tiere nach dem Fang regelmässig monatelang zu Tausenden und mit zusammengebundenen Scheren ohne Nahrung auf engstem Raum ohne Bewegungs- oder Rückzugmöglichkeiten gehalten. Danach werden die Hummer lebend in engen Styroporkisten in die Schweiz transportiert, was wiederum mit erheblichen Belastungen und sogar Verletzungen, vor allem der Fühler verbunden ist. Aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse ist davon auszugehen, dass Hummer in der Lage sind, Schmerzen zu empfinden. Aufgrund ihres hochentwickelten Nervensystems sind sie zweifelsohne leidensfähige Lebewesen.
Durch seine ablehnenden Entscheide hat es der Nationalrat verpasst, durch Importverbote ein starkes Zeichen zugunsten eines zeitgemässen Tier- und Artenschutzes zu setzen. Die TIR wird sich weiterhin für entsprechende Ein- und Durchfuhrverbote einsetzen.