Newsletter TIR-Bibliothek: TIR präsentiert Lesetipp des Monats
Die Bibliothek der Stiftung für das Tier im Recht (TIR) stellt mit der vierten diesjährigen Ausgabe des Newsletters wiederum ausgewählte und aktuelle Neuzugänge vor. Bücher, Artikel und Filmbeiträge zu tierrelevanten Themen sollen hierbei näher beleuchtet werden. Der Lesetipp des Monats handelt von der Instrumentalisierung der Tiere, ihrer Verdinglichung und Ausbeutung durch die Menschen.
11.12.2020
"Instrumentalisierung" ist ein zentraler Begriff in der Tierethik, aber auch im Tierschutzrecht. Im Allgemeinen wird darunter die Behandlung anderer Lebewesen als Mittel zu bestimmten Zwecken verstanden. Tiere als Mittel zu gebrauchen – egal, ob es sich dabei um Heim-, Nutz-, Versuchs- oder Sporttiere handelt – bedeutet somit, sie zu instrumentalisieren. Nicht jede Instrumentalisierung stellt allerdings ein moralisches bzw. rechtliches Problem dar. So beschreibt Art. 3 lit. a des Tierschutzgesetzes (TSchG) lediglich die "übermässige Instrumentalisierung" als Belastungselement in Bezug auf den Schutz der tierlichen Würde und damit als rechtlich relevant. Ob ein Tier durch eine bestimmte Umgangsform aus rechtlicher Sicht übermässig instrumentalisiert wird, muss somit stets im konkreten Einzelfall untersucht werden. Ähnlich fragt die Tierethik, wie sich moralisch zulässige von unzulässigen Instrumentalisierungsmodi unterscheiden lassen. Welche Rolle spielt diesbezüglich die Beziehung zwischen dem Instrumentalisierungssubjekt und dem Instrumentalisierungsmittel? Und inwiefern ist der Instrumentalisierungszweck moralisch relevant – heiligt der Zweck unter Umständen die Mittel?
In seiner umfassenden Dissertation setzt sich der Philosoph Samuel Camenzind mit diesen Fragestellungen auseinander und versucht zu eruieren, wie wir uns gegenüber Tieren moralisch verhalten sollen. Welche Handlungen sind erlaubt, verboten oder geboten? Dabei steht die Frage im Zentrum, inwiefern Instrumentalisierung als Grundkategorie der Moral zur Beantwortung dieser Fragstellung der Ethik der Mensch-Tier-Beziehung beitragen kann. Der Autor untersucht in seinem Werk, unter welchen Bedingungen die Instrumentalisierung eine moralische Kategorie ist und was dies für die Ethik der Mensch-Tier-Beziehung bedeutet.
Weiter wird geklärt, unter welchen Bedingungen Tiere in moralisch relevanter Weise instrumentalisiert werden können. Schliesslich erarbeitet Camenzind – in Anlehnung an die Moralphilosophie von Immanuel Kant – ein Bewertungsinstrumentarium, mit dem moralisch zulässige von moralisch unzulässigen Instrumentalisierungsmodi unterschieden und bestimmt werden können.
Samuel Camenzind promovierte in Philosophie an der Veterinärmedizinischen Universität in Wien zum Thema Instrumentalisierung als moralische Kategorie in der Ethik der Mensch-Tier-Beziehung. Zuvor war er von 2008 bis 2011 als wissenschaftlicher Mitarbeiter für die Stiftung für das Tier im Recht (TIR) tätig und insbesondere für die Verwaltung und den Ausbau der TIR-Bibliothek verantwortlich. Wir gratulieren Dr. Camenzind zur Erlangung der Doktorwürde von Herzen und danken ihm für sein – sowohl für die Tierethik als auch für das Tierschutzrecht – hoch relevantes Werk!
Die vorliegende Dissertation "Instrumentalisierung – Zu einer Grundkategorie der Ethik der Mensch-Tier-Beziehung" ist im Handel erhältlich und kann nach Voranmeldung während der Öffnungszeiten auch in der TIR-Bibliothek eingesehen werden, wo Lese- und Arbeitsplätze zur Verfügung stehen. Aktuelle Neuzugänge in der TIR-Bibliothek werden jeweils im Newsletter TIR-Bibliothek vorgestellt.
Weitere Informationen:
- Buch "Instrumentalisierung - Zu einer Grundkategorie der Ethik der Mensch-Tier-Beziehung" von Camenzind Samuel
- Aktuelle Neuzugänge in der TIR-Bibliothek: Newsletter TIR-Bibliothek
- Buchtipp: "Animal Dignity Protection in Swiss Law – Status Quo and Future Perspectives (TIR-Schriften – Band 15)" von Bolliger Gieri
- Weiterer Buchtipp: "Enthornen von Rindern unter dem Aspekt des Schutzes der Tierwürde" von Bolliger Gieri, Spring Alexandra und Rüttimann Andreas
- Weiterer Buchtipp: "Instrumentalisierung und Würde" von Schaber Peter
- Artikel: "Rechtlicher Schutz der Tierwürde im Schweizer TSchG – Status quo und Zukunftsperspektiven" von Bolliger Gieri und Rüttimann Andreas
- Zeitschrifttipp: "Affen, die sich zum Affen machen" von Benz-Schwarzburg Judith, enthalten im vet-journal 05/2015, S.54-67