Seminar zum Tierschutzstrafrecht 2022 – erneute erfolgreiche Kooperation zwischen TIR und Universität Zürich


Gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Strafrecht und Strafprozessrecht von Prof. Dr. Daniel Jositsch hat die Stiftung für das Tier im Recht (TIR) wiederum ein Seminar zum Tierschutzrecht veranstaltet. Die teilnehmenden Jus-Studierenden haben sich dabei vertieft mit der komplexen Thematik des strafrechtlichen Tierschutzes auseinandergesetzt. Die Veranstaltung war aus Sicht aller Beteiligten ein voller Erfolg.

12.04.2022

Schon zum insgesamt zwölften Mal durfte die TIR an der rechtswissenschaftlichen Fakultät der Universität Zürich ein Seminar zum Tierschutzrecht mitorganisieren. Nachdem der Anlass in den beiden Vorjahren coronabedingt einmal ausgefallen war und einmal virtuell stattfinden musste, konnte er vom 4. bis 6. April 2022 unter der Leitung von Ständerat und TIR-Stiftungsrat Prof. Dr. Daniel Jositsch und TIR-Geschäftsleiter Dr. Gieri Bolliger nun wieder "live" durchgeführt werden. Die 18 teilnehmenden Studierenden hatten im Vorfeld ausführliche Seminararbeiten zu verfassen, deren Fokus auf strafrechtlichen Tierschutzaspekten lag.

Das breite Themenspektrum reichte von Arbeiten über die "Strafrechtliche Verantwortlichkeit von Tierheimen, Tierpensionen, Auffangstationen etc.", das "Tierschutzstrafrecht aus historischer Sicht" bis hin zu "Unerlaubte Erziehungsmethoden bei Hunden und Pferden". Weitere Fragestellungen betrafen etwa die Themen "Behandlung und Transport von Tieren in Not", "Übersteigerte Tierliebe", "Illegale Hundehaltung", "Schädlingsbekämpfung", "Tierbefreiung und Aufdeckung von Tierschutzverstössen aus strafrechtlicher Sicht" oder "Strafrechtliche Würdigung der nicht-pathozentrischen Aspekte der Tierwürde". An den drei Seminartagen stellten die Studierenden ihre Arbeiten dann im Rahmen von Kurzpräsentationen vor. Die mehrheitlich sehr ansprechenden Vorträge wurden anschliessend im Plenum besprochen, wobei sich regelmässig angeregte Debatten ergaben. Die Auseinandersetzung erfolgte auf einer erfrischenden und dennoch stets respektvollen und sachlichen Ebene, sodass auch emotional besonders heikle Themen aus der hierfür notwendigen Distanz besprochen werden konnten.

Auf dem Seminarprogramm standen auch ein eindrücklicher Besuch im Schlachthof Hinwil sowie sechs interdisziplinäre Fachreferate im Hauptgebäude der Universität Zürich. Den Anfang machte der juristische Vortrag von Dr. Gieri Bolliger mit dem Titel "Besonderheiten und praktische Umsetzung des Schweizer Tierschutzstrafrechts".

In der Folge referierten der forensische Psychiater Prof. Dr. Frank Urbaniok über "Asymmetrische Machtbeziehungen" und den Zusammenhang zwischen Tierquälereien und anderen Straftaten und der Biologe Prof. Dr. Hanno Würbel von der Universität Bern über die "Biologischen Grundlagen zur Belastungseinschätzung und Güterabwägung im Tierschutzrecht". Martina Rivola, Chefin Umwelt der Kantonspolizei Bern, und die Zürcher Kantonstierärztin Dr. Regula Vogel vermittelten den Seminarteilnehmenden viele spannende Einblicke in die polizeilichen Ermittlungen bei Tierdelikten bzw. die praktische Umsetzung des verwaltungsrechtlichen Tierschutzes durch das Veterinäramt. Abschliessend präsentierte der Veterinärpathologe Dr. Udo Hetzel eine Reihe von Fallbeispielen aus seiner forensischen Praxis. Neben dem fachlichen kam auch der gesellschaftliche Teil nicht zu kurz, indem das Seminar durch ein gemeinsames Nachtessen im gemütlichen Rahmen mit einem veganen Spaghettiplausch und vielen interessanten Diskussionen abgerundet werden konnte.

Aus der Sicht der TIR war die Veranstaltung ein voller Erfolg. Die Auseinandersetzungen mit der Materie waren intensiv und gehaltvoll, und die gesamthaft gute Qualität sowohl der Arbeiten als insbesondere auch der Präsentationen darf als deutliches Zeichen für die Motivation und Einsatzbereitschaft junger Juristinnen und Juristen für das Tierschutzrecht gedeutet werden. Ein Grossteil der Seminararbeiten wird nach vollständiger Korrektur Eingang in die Bibliothek der TIR finden und der Öffentlichkeit auf diese Weise zur Verfügung stehen.

Die TIR freut sich sehr über ein rundum gelungenes Seminar und dankt allen Verantwortlichen und Teilnehmenden ganz herzlich für ihren persönlichen Beitrag. Wir hoffen, dass es allen Beteiligten in bester Erinnerung bleiben wird, und sind überzeugt, durch entsprechende Lehrveranstaltungen viele Studierende für den rechtlichen Tierschutz sensibilisieren zu können und damit einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung künftiger Fachkompetenzen zu leisten.