Petitionsübergabe in Bern: "Forschungsplatz Schweiz sichern"

Gemeinsam mit Animalfree Research (AfR), dem Zürcher Tierschutz, der Schweizer Liga gegen Tierversuche und für die Rechte des Tieres (LSCV) und der Associazione svizzera per l’abolizione della vivisezione (ATRA) hat die Stiftung für das Tier im Recht (TIR) im vergangenen Jahr die Kampagne "Forschungsplatz Schweiz sichern" lanciert. Die fünf Organisationen wollen damit ein Zeichen setzen für eine innovative, effiziente Wissenschaft ohne Tierleid. Bestandteil der Kampagne ist eine entsprechende Petition, die am heutigen Vormittag mit über 40'000 Unterschriften in Bern übergeben wurde.

29.04.2024

Obwohl die tierversuchsbasierte Forschung auch aus wissenschaftlichen Kreisen zunehmend angezweifelt wird, werden in der Schweiz noch immer jedes Jahr weit über eine Million Tiere für die Forschung genutzt. Während rund ein Drittel davon tatsächlich in – teilweise schwer belastenden – Versuchen eingesetzt wird, werden rund zwei Drittel der Tiere als "überzählig" getötet und entsorgt. Die Kosten für Zucht und Pflege der Versuchstiere sind immens. Gleichzeitig sind die Ergebnisse von Tierversuchen oftmals ernüchternd. So erweisen sich über 90 Prozent aller Medikamente, die in Tierversuchen als sicher und wirksam befunden wurden, als ungeeignet für den Menschen. Verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen zu einzelnen Forschungszweigen deuten zudem darauf hin, dass auch die Resultate von Tierversuchen in der Grundlagenforschung nur in sehr begrenztem Ausmass zu nützlichen Erkenntnissen für die menschliche Gesundheit führen. Welche Tierversuche einen konkreten Nutzen erbracht haben, wird auch nach jahrzehntelanger Forschung noch immer nicht systematisch überprüft. Dennoch wird die tierexperimentelle Forschung zu einem grossen Teil durch Steuergelder mitfinanziert.

Die bisherigen Bemühungen seitens der Politik und der Forschergemeinschaft hinsichtlich einer Abkehr vom Tierversuch und eines Umstiegs auf tierfreie Methoden, die für den Menschen relevante Ergebnisse liefern (wie beispielsweise dreidimensionale Zellkulturen, Mini-Organe oder Multi-Organ-Chips mit menschlichen Zellen), genügen bei Weitem nicht. So wird momentan nur ein Bruchteil der Forschungsgelder in die Entwicklung beziehungsweise Weiterentwicklung solcher innovativen Forschungsmethoden investiert

Ein Umdenken ist also dringend geboten. Die fünf Tierschutz- und Tierrechtsorganisationen fordern daher mit ihrer Kampagne die Erarbeitung eines verbindlichen Plans für einen schrittweisen Ausstieg aus belastenden Tierversuchen, der auf einer systematischen Bewertung des Nutzens tierexperimenteller Forschung basiert.

Von einem solchen stufenweisen Ausstiegsplan würden alle Seiten profitieren – nicht nur die Tiere und die menschliche Gesundheit, sondern auch die Wissenschaft. Zudem würde auch der Forschungsplatz Schweiz langfristig gesichert. Denn die mittlerweile in zahlreichen Ländern geführte Diskussion über entsprechende Ausstiegspläne – die in einigen Staaten bereits wesentlich weiter fortgeschritten ist als in der Schweiz – zeigt deutlich, dass die Zukunft der Forschung in tierfreien Methoden liegt.

Unterstützt wird die Kampagne unter anderem von Vertreterinnen und Vertretern der Bereiche Forschung, Politik und Wirtschaft. Zu den Befürworterinnen zählt auch Ständerätin Maya Graf (GPS/BL), die die Forderung nach einem Ausstiegsplan in Form eines politischen Vorstosses ins Parlament einbringen wird. Die fünf Organisationen hoffen, dass die über 40'000 Unterschriften für die Petition dazu beitragen werden, eine Mehrheit in National- und Ständerat von der Wichtigkeit des Anliegens zu überzeugen.