Bereits über 100‘000 Stimmen für eine Kastrationspflicht von Freigänger-Katzen in der Schweiz!
Die im Frühling 2016 durch die Tierschutzorganisationen NetAP – Network for Animal Protection und Stiftung für das Tier im Recht (TIR) lancierte Petition für eine Kastrationspflicht von Freigänger-Katzen in der Schweiz erhält grosse Unterstützung von vielen Seiten und verzeichnet bereits über 100‘000 Unterschriften.
05.03.2018
Entgegen einer weit verbreiteten Annahme besteht auch in der Schweiz ein bedeutendes Streunerproblem, das noch immer nicht gelöst ist.
Eine der Hauptursachen hierfür liegt darin, dass Privatpersonen (inkl. Landwirte) ihre Freigänger-Katzen nicht kastrieren lassen wollen und diese zusammen mit herrenlosen, unkastrierten Tieren ständig für weiteren Nachwuchs sorgen. Dies hat zur Folge, dass in der Schweiz zwischen 100'000 und 300'000 herrenlose Katzen leben. Überdies werden jedes Jahr schätzungsweise 100'000 Katzen getötet, weil niemand sie haben will.
Die Zahlen zeigen, dass die Kontrolle der Katzenpopulation in der Schweiz offensichtlich nicht in ausreichendem Masse bzw. nicht mit nachhaltigen und tiergerechten Mitteln erfolgt, obwohl diese Möglichkeit bestünde. Dass die im Gesetz verankerte Pflicht zur Populationskontrolle und die jahrelangen Bemühungen zur Aufklärung der Bevölkerung bisher kaum Verbesserungen erzielt haben, belegen auch die schlimmen Katzenschicksale, die NetAP täglich gemeldet werden. Die unkontrollierte Vermehrung von Katzen führt dazu, dass jedes Jahr unzählige ungewollte Jungtiere in Tierheime abgeschoben oder ausgesetzt werden und unerwünschter Katzennachwuchs auch heute noch vielfach aktiv getötet wird. Insbesondere in ländlichen Gebieten werden Katzenwelpen teilweise noch immer ganz selbstverständlich ertränkt, erschlagen oder auf andere tierquälerische Weise getötet.
Diese Missstände bestehen, obwohl die Tierschutzverordnung bereits heute ausdrücklich festhält, dass Tierhaltende alles Zumutbare tun müssten, um zu verhindern, dass sich ihre Tiere übermässig vermehren (Art. 25 Abs. 4 TSchV). Das Paarungsverhalten unkastrierter Freigänger-Katzen unter Kontrolle zu haben ist für deren Halter aber aus naheliegenden Gründen unmöglich. Aus diesem Grund fordern NetAP, TIR und weitere 150 Organisationen den Bundesrat und das Parlament auf, die Verordnung in Hinblick auf Freigänger-Katzen mit einer Kastrationspflicht zu ergänzen. Überdies haben sich bereits auch schon 39 Parlamentarier und über 100'000 Unterzeichnende der Forderung der Initianten angeschlossen. Die Sammelfrist für die Petition läuft noch bis zum 31. März.
Weltweit ist das Katzenelend gross, auch in der Schweiz. Doch während in Österreich, Deutschland, Belgien und weiteren Ländern durch die Einführung einer Kastrationspflicht längst Massnahmen ergriffen worden sind, um das Problem erfolgreich zu bekämpfen, verschliesst man sich in der Schweiz noch vor einer solchen Regelung und zieht damit im Ergebnis das Tierleid vor.
Die Erfahrungen deutscher Städte und Gemeinden, die bereits seit einiger Zeit eine Kastrationspflicht kennen, zeigen deutlich, dass über die Jahre hinweg die Anzahl ausgesetzter oder verwilderter Katzen abnimmt und die Anzahl Kastrationen
zunimmt, und zwar alleine durch die Statuierung einer gesetzlichen Kastrationspflicht, d.h. ohne dass Kontrollen durch die Behörden verstärkt würden. "Die meisten Menschen nehmen Gesetze ernst und verhalten sich entsprechend. Natürlich wird es einige Unbelehrbare und Querulanten geben, die sich nicht an geltende Regeln halten wollen. Aber man erwischt auch nie alle Geschwindigkeitsübertreter und Falschparker und kommt dennoch nicht auf die Idee, die entsprechenden Begrenzungen wieder abzuschaffen", meint Esther Geisser zur Frage, wie der Vollzug gewährleistet werden soll.
Die Kastration ist ein verhältnismässig kleiner und vom erfahrenen Veterinär einfach auszuführender medizinischer Eingriff, der erst noch mit vielen Vorteilen verbunden ist, und zwar in erster Linie für die Katze selbst, aber auch für den Halter und die Natur. "Eigentlich gibt es keine Gründe, die gegen die Kastration einer Katze sprechen, ausser egoistische", hält Dr. Enrico Clavadetscher, medizinischer Leiter bei NetAP fest. Und Esther Geisser fügt an: "Jeden Tag erreichen uns Meldungen über Katzen in Not, aus der ganzen Schweiz. Wir können alle diese Fälle gar nicht mehr bewältigen. Es muss deshalb auf Gesetzesebene endlich etwas gegen dieses Elend unternommen werden!".
Es bleibt jetzt abzuwarten, ob man nun endlich auch in Bern die Notwendigkeit einer Kastrationspflicht erkennen oder weiterhin bewusst das Katzenelend vorziehen wird.
Detaillierte Informationen inklusiv Bildmaterial finden Sie unter http://www.kastrationspflicht.ch/de (http://www.kastrationspflicht.ch/fr/, http://www.kastrationspflicht.ch/it/).
Medienkontakt:
NetAP – Network for Animal Protection
lic. iur. Esther Geisser
Präsidentin und Gründerin
Vogelsangstrasse 32
CH - 8133 Esslingen
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info@netap.ch
www.netap.ch
www.facebook.com/netap.ch
Stiftung für das Tier im Recht (TIR)
MLaw Christine Künzli
Stv. Geschäftsleiterin und Rechtsanwältin
Rigistrasse 9
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043 443 06 43