"Wild? Me???" – TIR unterstützt Kampagne für Streunertiere

Auf politischer Ebene werden Streunertiere oftmals nicht als Tierschutzproblem, sondern vielmehr als Gefährdung für die öffentliche Gesundheit wahrgenommen. Viele Scheinlösungen für das Problem umherstreunender Hunde und Katzen sind daher mit dem Tierwohl nicht zu vereinbaren – wie aktuelle Beispiele in Rumänien zeigen. Auch die Europäische Union (EU) entwickelt sich mit einem kontraproduktiven Artikel, der ins neue Tiergesundheitsgesetz eingefügt werden soll, in diese Richtung. Die Stiftung für das Tier im Recht (TIR) unterstützt daher eine von Vier Pfoten zur Bekämpfung dieses Artikels ins Leben gerufene Kampagne und hofft, dass diese Entwicklung noch abgewendet werden kann.

22.12.2014

Bereits seit drei Jahren erarbeitet die Europäische Kommission ein neues Tiergesundheitsgesetz. Ziel der Revision ist es, die gesamte gegenwärtige EU-Gesetzgebung zur Tiergesundheit zu vereinheitlichen und zu vereinfachen und einen besseren Abgleich innerhalb der EU-Mitgliedsstaaten zu erreichen. Ein Teil dieses Gesetzes befasst sich auch mit Streunertieren – ein Thema, dem sich auch die TIR intensiv widmet.

Zu begrüssen ist, dass der neue gesetzgeberische Rahmen eine Identifikations- und Registrationspflicht für alle Hunde in der EU vorsieht. Im letzten Jahr hat sich die EU allerdings immer weiter von einer sinnvollen Regelung der Streunerproblematik entfernt. Inzwischen hat die EU-Kommission dem EU-Parlament gar einen Vorschlag unterbreitet, wonach domestizierte Streunertiere als Wildtiere qualifiziert werden sollen. Damit würde das Schutzniveau für Streuner- und freilaufende Haustiere in Europa herabgesetzt und könnte das Gesetz eine Grundlage für die Jagd und Ausrottung von Streunern bilden.

Der Vorschlag der EU-Kommission ignoriert die wissenschaftlich belegte, fundamentale Unterscheidung zwischen wilden und domestizierten Tieren und widerspricht den Prinzipien von Art. 13 des Vertrages über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV). Das European Policy Office von Vier Pfoten in Brüssel hat daher eine Kampagne mit dem Titel "Wild? Me???" ins Leben gerufen, um auf die Entwicklungen im Gesetzgebungsprozess aufmerksam zu machen.

Die Kampagne beginnt mit einer Postkarte, die an alle EU Institutionen versandt wird. Die Postkarten können zudem von allen interessierten Personen online geteilt und verschickt und bei Vier Pfoten in verschiedenen europäischen Ländern direkt bezogen werden. Eine digitale Version ist hier verfügbar.

Zugleich mit der Kampagne erfolgte auch ein Relaunch der Webseiten CAROdog und CAROcat. Dieses Projekt wurde 2010 durch Vier Pfoten International und das Instituto G. Caporale mit Unterstützung der EU-Kommission und der Europäischen Dachorganisation der Tierärzteschaft FVE lanciert und hat das Ziel, fundierte Informationen zur rechtlichen und gesundheitlichen Situation von Streunerhunden und -katzen zur Verfügung zu stellen. Auch die TIR ist immer wieder aktiv in diese Projekte involviert (siehe Newsmeldung vom 14.10.2010).

Die TIR hofft, dass die Kampagne "Wild? Me???" auf Erfolg stossen wird und die Aufnahme des betreffenden Artikels ins Tiergesundheitsgesetz der EU abgewendet werden kann. Es würde uns daher sehr freuen, wenn Sie die Kampagne teilen und möglichst viel Aufmerksamkeit generieren könnten.