Am 22. September 2018 ist World Rhino Day

Zum heutigen Weltnashorntag macht die Stiftung für das Tier im Recht (TIR) auf die noch immer weltweit besorgniserregende Situation der Nashörner aufmerksam. Die Populationen aller fünf Nashornarten befinden sich in einem kritischen Zustand. Es besteht jedoch die Hoffnung, dass sich diese durch gezielte Konservierungsstrategien und durch den unermüdlichen Einsatz von Rangern in ihrem natürlichen Lebensraum erholen werden.

21.09.2018

Seit Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich die Zahl wildlebender Nashörner von 500'000 auf weniger als 30'000 verringert. Vier der fünf Nashornarten gelten als bedroht; drei davon werden sogar als stark gefährdet eingestuft.

Die Gefährdung des weltweiten Nashornbestandes kann auf verschiedene Ursachen zurückgeführt werden: Ein wichtiger Faktor ist etwa die zunehmende Begrenzung des Lebensraums der Nashörner aufgrund der fortschreitenden Nutzung durch den Menschen. Hauptsächlich jedoch ist die Wilderei für den dramatischen Rückgang der Nashornpopulationen verantwortlich. Das Horn der Tiere gilt im asiatischen Raum immer noch als Statussymbol und als Heilmittel, obwohl bis heute keine wissenschaftlichen Belege für eine entsprechende Wirkung vorliegen. Es wird angenommen, dass etwa drei Nashörner pro Tag durch Wilderer getötet werden, was nicht nur ein Artenschutz-, sondern auch ein grosses Tierschutzproblem darstellt. Die meisten Hörner stammen aus Südafrika, als grösster Exporteur gilt allerdings Mosambik. Die Hörner werden über den Schwarzmarkt hauptsächlich nach China und Vietnam exportiert, wo sie teilweise sogar einen höheren Verkaufswert erzielen als Gold.

Um den Nashornbestand als Ganzes wie auch die einzelnen Tiere nachhaltig zu schützen, ist es wichtig, dass sowohl Export- wie auch Importstaaten solcher Nashornprodukte ihre internationalen Verpflichtungen einhalten. Das Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen (CITES), das mittlerweile 183 Ländern unterzeichnet haben, ist hier von besonderer Bedeutung. Insgesamt fallen rund 5800 Tier- und 30'000 Pflanzenarten unter den Schutz von CITES. Diese werden nach ihrem Gefährdungsgrad in drei Kategorien (Anhänge I-III) eingeteilt. Je nach Zuteilung ist der internationale Handel mit den betreffenden Arten unterschiedlich geregelt. Alle Nashornarten und -populationen (mit Ausnahme der Populationen der Spezies Ceratotherium simum simum, eine Unterart des Breitmaulnashorns, in Südafrika und Swasiland) sind im Anhang I aufgelistet. Das bedeutet, dass der internationale Handel mit ihnen und ihren Produkten grundsätzlich verboten und nur in Ausnahmefällen (z.B. für Zoos, Trophäenjäger oder Forschungszwecke) zugelassen werden darf. Dieses Handelsverbot muss von den zuständigen Behörden konsequent umgesetzt und Verstösse strikt geahndet werden.

Zusätzlich ist von Abnehmerstaaten solcher Produkte zu verlangen, dass sie ihre Bevölkerung über die Mythen und Falschinformationen rund um die angeblich heilende Wirkung des Nashorn-Horns aufklären und stringente Kontrollen bei bekannten Importstellen durchführen. Oftmals stellt jedoch die in den Zielländern herrschende Korruption bei der Durchsetzung solcher Massnahmen ein grosses Hindernis dar. Aber auch einige Exportländer, wie beispielsweise Südafrika, haben mit Korruption zu kämpfen und benötigen griffige Lösungen, um den illegalen Handel mit Nashorn-Produkten einzudämmen.

Zu einer gewissen Deeskalation der Krise haben in den Exportländern Konservierungsstrategien wie der Einsatz von Rangern beigetragen. Einen eindrücklichen Einblick in die gefährliche und aufopfernde Arbeit der Ranger zum Schutz der Nashörner konnte die TIR im Jahr 2015 vor Ort in Simbabwe gewinnen als ihre stellvertretende Geschäftsleiterin Vanessa Gerritsen Bryce und Lara Clemence besuchte (siehe Newsmeldung vom 21.09.2015) . Bryce Clemence ist Direktor und Ausbilder der Anti-Poaching and Tracking Specialists (ATS). Er und sein Team sind verantwortlich für die Koordinierung der Anti-Wilderei Bemühungen im Savé Valley Conservancy im Südosten von Simbabwe, das 25 Prozent der verbleibenden simbabwischen Population des Spitzmaulnashorns beheimatet.

In zahlreichen Ländern Afrikas sind Bemühungen gegen die Wilderei nur unzureichend organisiert. So verfügen beispielsweise viele Ranger, die Anti-Wilderei-Einheiten zugeordnet sind, weder über eine entsprechende Ausrüstung noch über eine angemessene Ausbildung. Nicht selten werden sie bei ihrer Arbeit deswegen verletzt oder sogar getötet oder sind sie schlicht nicht in der Lage, Wilderer von ihrer kriminellen Tätigkeit abzuhalten. Hier setzt Bryce Clemence an, indem er die Ranger des National Parks in Simbabwe professionell ausbildet und ausrüstet. Er ist überzeugt, dass nur durch gut ausgebildete Ranger und die Sensibilisierung der Bevölkerung das Überleben der Nashörner nachhaltig gesichert werden kann.

Die TIR dankt dem ATS-Team für seinen unermüdlichen Einsatz. Sie ist überzeugt, dass durch gezielte Massnahmen sowohl in den Export- als auch in den Zielländern die Wilderei bekämpft und die Nashornpopulation vor dem gänzlichen Verschwinden bewahrt werden kann.