TIR freut sich über die Eröffnung des Cambridge Centre for Animal Rights Law

In Cambridge wurde das Centre for Animal Rights Law feierlich eingeweiht. An der internationalen Eröffnungskonferenz zum Thema "Animal Rights Law: Present and Future" diskutierten führende Tierrechtsexperten aus der ganzen Welt neue Lösungsansätze für die Frage, wie und wie weit Tieren in der Zukunft eigene Rechte eingestanden werden sollen. Unter den Gästen und Referierenden waren auch Mitarbeitende der Stiftung für das Tier im Recht (TIR).

06.05.2019

Am 26. April 2019 wurde das Cambridge Centre for Animal Rights Law im Rahmen einer grossen Auftaktkonferenz an der Juristischen Fakultät in Cambridge offiziell eröffnet. Das Institut versteht sich als unabhängiges akademisches Kompetenzzentrum zur Erforschung und Förderung der Grundrechte von nichtmenschlichen Tieren. Während sich das Tierschutzrecht in den letzten Jahrzehnten weltweit stark entwickelt und zunehmend als eigene Rechtsdisziplin etabliert hat, wurde zur Fragestellung, ob Tieren auch eigentliche Rechte zugestanden werden sollen, aus juristischer Sicht bislang noch nicht umfassend geforscht. Das Konzept der Tierrechte als solches existiert zwar seit vielen Jahren, hat in der Rechtslehre bisher aber aus verschiedenen Gründen nur untergeordnete Beachtung gefunden. Grösste Herausforderung stellt dabei die Vereinbarkeit von Tierrechten mit dem Rechtsgrundsatz von Tieren als im Eigentum des Menschen stehenden Objekten dar. Aus diesem Grund gibt es bisher nur relativ wenige juristische Arbeiten über das Verständnis und die Förderung von Tierrechten sowie über die Fragen, wie diese konkret ausgestaltet werden müssten und wie mit den sozialen und wirtschaftlichen Folgen umzugehen wäre.

Das Cambridge Center for Animal Rights Law ist das erste akademische Institut Grossbritanniens, das sich der konsequenten Forschung, Lehre und politischen Arbeit im Bereich der Grundrechte nichtmenschlicher Tiere widmet. Ziel des von Director Dr. Sean Butler und Executive Director Raffael Fasel ins Leben gerufenen und geleiteten Instituts ist es, in den nächsten Jahren auf internationaler Ebene Schlüsselthemen im Bereich des Tierrechts zu erforschen, zu entwickeln und hierüber zu publizieren. Um das juristische Bewusstsein für die Bedeutung dieser Themen zu schärfen, sollen zudem spezifische Tierrechtskurse für Studierende wie auch Vorträge für Laien angeboten und weitere Konferenzen und Workshops für Rechtswissenschaftler und andere Interessierte durchgeführt werden.

Der Titel der Eröffnungsveranstaltung an der Universität Cambridge lautete "Animal Rights Law: Present and Future". Nach einer Einführung von Dr. Sean Butler und Raffael Fasel referierte Dr. Saskia Stucki (MPIL Heidelberg; Harvard Animal Law & Policy Program) über den theoretischen Unterschied zwischen "einfachen" und "grundlegenden" Rechtsansprüchen für Tiere. Dr. Alasdair Cochrane (University of Sheffield) plädierte anschliessend dafür, die Rechte nichtmenschlicher Tiere als Teil desselben normativen Konzepts wie die Menschenrechte zu betrachten. Dr. Jeff Sebo (New York University) präsentierte dann verschiedene philosophische Argumente rund um Rechtspersönlichkeit und die Habeas Corpus-Debatte für nichtmenschliche Tiere, während Steven Wise über die jüngsten praktischen Anwendungsfälle seines Nonhuman Rights Projects, bei denen Habeas Corpus-Vorstösse im Namen von Schimpansen und Elefanten eingereicht wurden, berichtete. Auch TIR-Geschäftsleiter Dr. Gieri Bolliger hatte die Ehre, anlässlich der Eröffnungskonferenz zu referieren. In seinem Vortrag ging es um den Schutz der Tierwürde im Schweizer Recht. In einer abschliessenden Plenumsdiskussion, in der auch Katerina Stoykova, rechtswissenschaftliche Mitarbeiterin der TIR, auf dem Podium vertreten war, stellten sich die Referierenden den zahlreichen Fragen aus dem Publikum.

Die TIR gratuliert den Verantwortlichen des Cambridge Center for Animal Rights Law für den sehr gelungenen Auftakt, wünscht ihnen von Herzen alles Gute für die Zukunft und unterstützt ihre Bestrebungen, zu einem akademischen Zentrum von europäischer und globaler Bedeutung zu werden, nach Kräften. Wir sind überzeugt, dass das Institut einflussreiche Juristen und Rechtsphilosophen als Dozenten, Forscher und Gastwissenschaftler anziehen, die Erforschung von Tierrechten in Kursen, Konferenzen und renommierten Journals vorantreiben und die Aufmerksamkeit von Politikern und Gesetzgebern in Grossbritannien, Europa und der ganzen Welt auf sich ziehen wird.

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