Kantonale Abstimmung vom 19. Mai 2019: TIR empfiehlt ein Nein zum Projekt Ozeanium in Basel-Stadt

Am 19. Mai entscheidet das Stimmvolk des Kantons Basel-Stadt über die Entstehung des Basler Zoo-Projekts "Ozeanium". Um "das Meer in die Schweiz zu bringen" sollen künftig zahlreiche Meerestiere gezüchtet sowie der Wildnis entnommen werden. Die Stiftung für das Tier im Recht (TIR) empfiehlt aus Tier- und Artenschutzgründen ein klares Nein zum geplanten Grossaquarium.

14.05.2019

Im letzten Oktober gab der Grosse Rat grünes Licht für den Bau des Ozeaniums, das geplante Grossaquarium des Basler Zollis, auf der Heuwaage in Basel-Stadt. Gegen diesen Beschluss hat die Fondation Franz Weber gemeinsam mit Verbündeten umgehend das Referendum in die Wege geleitet. Die benötigten Unterschriften wurden innert kurzer Zeit erfolgreich gesammelt, womit die Vorlage nun vor das Stimmvolk kommt. TIR empfiehlt, aus Tier- und Artenschutzsicht am 19. Mai ein Nein zum "Grossratsbeschluss vom 17. Oktober 2018 betreffend Ratschlag Ozeanium und die entsprechenden baulichen Anpassungen" in die Urne zu legen.

Sowohl in tierschutzrechtlicher als auch in ökologischer Hinsicht ist ein Grossaquarium wie das vom Zolli geplante Ozeanium höchst problematisch. Nur ein bis zehn Prozent der Tiere und Pflanzen in Salzwasseraquarien können in Gefangenschaft gezüchtet werden. Im Handel und in den Aquarien stammen weniger als ein Prozent der Arten aus Zuchten, da der Wildfang nach wie vor günstiger und einfacher ist. Die entsprechenden Fang-, Transport- und Behandlungsmethoden sind jedoch äusserst bedenklich. Es ist davon auszugehen, dass zahlreiche Fische aufgrund tierschutzwidriger Fangmethoden und schlechter Transportbedingungen sterben, bevor sie im Aquarium ankommen. Dies bestätigen auch Zooexperten, die dem Projekt positiv gegenüberstehen, diesen Verlust jedoch in Kauf nehmen.

Heute sind überdies weltweit mehr als 60 Prozent der Korallenriffe unmittelbar bedroht – eine massgebliche Rolle spielt dabei auch der Fang von Aquarienfischen. Da fast keine der gefangenen Arten geschützt ist, keine international verbindlichen Regulierungen und Registrierungspflichten bestehen und die durch die Exportländer theoretisch vorgesehenen Kontrollen nicht greifen, gibt es keine Übersicht über Anzahl und Art der gefangenen Organismen. Damit ist ein nachhaltiger Fang von Salzwasseraquarienfischen unmöglich.

Selbst erklärtes Ziel des Ozeaniums ist es, unter Berücksichtigung des Nachhaltigkeitsgrundsatzes das Bewusstsein für den Schutz des Meeres zu fördern. So löblich diese Absichten sind, tatsächlich trägt das Ozeanium vielmehr dazu bei, die tierschutzwidrigen und ökologisch schädlichen Fang- und Handelsbedingungen bei Aquarienfischen weiter zu fördern. Viel wirksamer umzusetzen wäre die Bewusstseinsförderung für die Anliegen des Meeresschutzes mit zeitgemässen Ideen, etwa der von der Fondation Franz Weber vorgeschlagenen "Vision Nemo". Hier könnte auf moderne und eindrückliche Weise eine virtuelle Welt erschaffen werden, die dem Besucher einen einzigartigen Einblick und Zugang zur Welt des Meeres bietet – ohne tierschutzrechtliche und ökologische Bedenken.

Die TIR empfiehlt den Basler Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern aus den genannten Gründen, dem aus Tier- und Artenschutzgründen bedenklichen Grossaquarium eine Absage zu erteilen und am 19. Mai gegen das Ozeanium zu stimmen. Sie hofft, dass die Basler Bevölkerung ihre Verantwortung für die Natur wahrnimmt und sich von der Ausbeutung der Meere deutlich distanziert.