Newsletter TIR-Bibliothek: TIR präsentiert Lesetipp des Monats

Die Bibliothek der Stiftung für das Tier im Recht (TIR) stellt mit der dritten diesjährigen Ausgabe des Newsletters ausgewählte und aktuelle Neuzugänge vor. Bücher, Artikel und Filmbeiträge zu tierrelevanten Themen sollen hierbei näher beleuchtet werden. Der Tipp des Monats handelt von Traditionen menschlichen Essverhaltens, deren evolutionärer Bedeutung, den biosphärischen Auswirkungen des Fleischverzehrs und der Frage, ob die fleischlose Ernährung die Zukunft sein könnte.

19.10.2020

Die Produktion von Fleisch verzehrt enorme Ressourcen, Wasser-, Energie- und Getreideverbrauch sind immens, die Auswirkungen auf Klima und Umwelt gewaltig. Darüber hinaus leiden unzählige Tiere in der Massentierhaltungsindustrie. Neben den Tieren werden auch Billigstlohnarbeiter und -arbeiterinnen in Tierfabriken und Schlachtbetrieben ausgebeutet.

Trotz der allgegenwärtigen Vorbilder von prominenten Veganerinnen und Veganern, dem immer grösseren Angebot an pflanzlich basierten Lebensmitteln sowie der wissenschaftlichen Berichterstattung über eine gesunde Ernährung ohne Fleisch, wird die Nachfrage nach Fleisch in den nächsten dreissig Jahren voraussichtlich doppelt so schnell wachsen wie die Nachfrage nach pflanzlicher Nahrung. Zwischen 1960 und 2010 hat sich der Pro-Kopf-Fleischkonsum in den Entwicklungsländern mehr als verdoppelt; in China stieg der Fleischkonsum um das Neunfache. Bis 2050 rechnet die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen FAO mit einer Steigerung der Fleischproduktion auf 455 Millionen Tonnen.

Der dringend notwendige Wandel in der menschlichen Ernährung stellt sich also nicht von allein ein. Aufschluss über das menschliche Essverhalten und den Fleischkonsum gibt das Buch "The Meat Question" von Josh Berson. Anhand von paläntologischen, wie auch anthropologischen Rechercheergebnissen zeigt er unsere tief verwurzelten Esstraditionen und die evolutionäre Bedeutung unseres Umgangs mit Fleisch auf.

Weiter beschreibt der Autor, dass der heutige Anstieg der Nachfrage nach Fleisch ebenso sehr von der wirtschaftlichen Unsicherheit wie vom Wohlstand getrieben ist. Der Fleischkonsum wird oftmals mit Reichtum und Gesundheit assoziiert, doch birgt das bereits zwei Widersprüche in sich – ist doch das billige Fleischangebot omnipräsent, und die Tiergesundheit wird in der Massentierhaltung mit Antibiotika aufrecht erhalten, ganz zu schweigen von den schlechten Haltungsbedingungen der Tiere. Ein Umdenken beginnt bei der eigenen Person und ist oft unbequem, doch lohnt sich ein kritischer Blick hinter die Kulissen, um die eigenen Automatismen zu hinterfragen und verändern zu können.Um die Fleischfrage zu beantworten, so Berson, müssen wir über den Fleischkonsum in einer Weise nachdenken, die über die Paläo-Diäten und Proteste einiger Tierschutzorganisationen hinausgeht. Wir müssen uns mit dem tief verwobenen wirtschaftlichen und politischen Leben von Menschen und Tieren in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft befassen.

Das Buch "The Meat Question" ist im Handel erhältlich und kann überdies nach Voranmeldung während der Öffnungszeiten in der TIR-Bibliothek eingesehen werden, Lese- und Arbeitsplätze stehen zur Verfügung. Aktuelle Neuzugänge in der TIR-Bibliothek werden jeweils im Newsletter TIR-Bibliothek vorgestellt.

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