Newsletter TIR-Bibliothek: TIR präsentiert den Lesetipp


Die Stiftung für das Tier im Recht (TIR) stellt mit ihrem vierten Bibliotheksnewsletter des Jahres 2022 wiederum ausgewählte Neuzugänge vor. Präsentiert werden dabei Bücher, Artikel und Filmbeiträge zu tierrelevanten Themen. Im Fokus der aktuellen Ausgabe steht das Buch "The Evidence Project" ein Bildband, der uns schonungslos zeigt, wie wir Menschen mit der Zerstörung der Erde und deren Bewohner voranschreiten und wie wir etwas verändern können, um eine sichere und nachhaltige Zukunft für Menschen und Tiere zu gewährleisten.

19.12.2022

Unsere erste Begegnung mit Britta Jaschinski an der Basel Vegan Messe im September 2022 war prägend, inspirierend und überaus wertvoll. Die zerstörerische Ausbeutung der Erde und ihrer Tier- und Pflanzenwelt durch menschliche Profitsucht, Ignoranz und Bequemlichkeit erlebt Britta Jaschinski als Fotojournalistin tagtäglich hautnah mit. Dennoch zeigt sie Humor und Lebensfreude sowie einen bemerkenswerten Tatendrang. Zudem ist sie erfolgreich darin, Menschen aufzufordern, selbst aktiv zu werden. Ihre Fotorecherchen und die zahlreichen Vorträge, die sie weltweit hält, sind berührend, schonungslos real und treffen mitten ins Herz.

Der vorliegende Bildband "The Evidence Project" von Britta Jaschinski, Keith Wilson und Arturo de Frías umfasst eine bemerkenswerte Sammlung von Bildern führender Fotografen weltweit, die Beweisstücke von Tatorten menschlicher Zerstörungswut und unvergleichlicher Grausamkeit abbilden. Es sind Momentaufnahmen, die Emotionen wecken und ohne Worte alles sagen, was nötig ist, um das dahinterstehende Leid auszudrücken. Es sind traurige Indizien von illegal gejagten oder bis zur fast vollständigen Ausrottung ihrer Art getöteten Tieren, die für Medizin, Konsum oder Vergnügen, etwa für materielle Güter wie Taschen und Schuhe, ihr Leben auf qualvolle Art verlieren oder lebenslang leiden. Die Fotografien geben Einblick in die Nutztier-, Fischerei- und Hundefleischindustrie und deren Folgen für die Tiere, die Umwelt und die Menschen. Dazu gibt es kurze und prägnante Tipps, die Hoffnung bieten und die Eigeninitiative fördern, um den eigenen Fussabdruck ökologischer zu gestalten und das Tierleid zu minimieren.

Das Leben auf der Erde ist ein riesiges in sich verbundenes Netzwerk und durch viele menschliche Einflüsse bereits erheblich aus den Fugen geraten. Der masslose Bedarf der menschlichen Gesellschaft an Ressourcen aus der Natur wird in aller Regel rücksichtslos erworben, produziert und konsumiert. Die Tiere und ihr Lebensraum sowie die armutsbetroffene Bevölkerung in Drittweltstaaten haben das Nachsehen. Das Abholzen von Regenwäldern, um Plantagen mit Monokulturen für Palmöl oder Viehweiden anzulegen und der immense Verbrauch an fossilen Energien tragen zur Veränderung des Klimas bei und bieten einen perfekten Nährboden für Zoonosen, was durch den Handel und die Aufrechterhaltung von Wildtiermärkten (Wet Markets) zusätzlich begünstigt wird. COVID-19, HIV-1/AIDS, Ebola, SARS und Vogelgrippe sind nur einige der bekannten Viren, die die Gesellschaft, die Wissenschaft, die Wirtschaft und die Politik in den letzten Jahrzehnten intensiv beschäftigt haben.

"The Evidence Project" liefert Beweise, mit deren Hilfe sich die Ausbeutung der Erde nicht mehr verleugnen lässt. Die eindrucksvollen Bilder haben die Kraft, Missstände aufzudecken und Entscheidungsträger auf allen Ebenen aufzurütteln. Auf diese Weise kann Druck erzeugt und Veränderung angestrebt werden. Regierungen, Gesetzgeber, Unternehmen und die Konsumentenschaft sollen erreicht, informiert und zu Verhaltensänderungen motiviert werden.

Britta Jaschinski hat zahlreiche internationale Auszeichnungen erhalten und ist für ihren einzigartigen Stil des Fotojournalismus bekannt. Sie arbeitet mit Regierungen, Behörden, Umweltorganisationen, Wohlfahrtsverbänden und NGOs zusammen. Ihre investigativen Bilder und Multimediashows über den Handel mit Wildtieren sind eindringlich. Jaschinskis Arbeiten werden von Geo, National Geographic, Stern, Spiegel, The Guardian und zahlreichen anderen Zeitschriften, Zeitungen und Büchern veröffentlicht. Ihre begehrten Fotos werden weltweit ausgestellt. Sie ist Mitbegründerin von Photographers Against Wildlife Crime, einer internationalen Gruppe preisgekrönter Fotografen, die sich zusammengeschlossen haben, um mit ihren aussagekräftigen und oftmals schockierenden Bildern den illegalen Wildtierhandel an die Öffentlichkeit zu bringen und auf dessen Folgen und Auswirkungen hinzuweisen.

Ihre Vortragsreihe hat insbesondere bei den jüngeren Generationen Chinas Entsetzen ausgelöst und via verschiedene Social-Media-Kanäle unzählige Menschen erreicht. So haben etwa die Bilder von der Gewinnung tierlicher Produkte wie Gallenflüssigkeit von Bären oder Tigerknochen für die traditionelle chinesische Medizin starkes Aufsehen erregt. Sogar die chinesische Regierung zeigte sich in der Folge interessiert, gemeinsam mit Britta Jaschinski ein Buch zu dieser Thematik herauszugeben. Durch den Ausbruch von COVID-19 konnte dieses Vorhaben allerdings noch nicht umgesetzt werden.

Keith Wilson ist Herausgeber und Autor von Fotobüchern. Er hat mit einigen der weltweit führenden Fotografen in den Bereichen Wildtiere, Naturschutz und Umweltfragen zusammengearbeitet. Er ist Mitbegründer von Photographers Against Wildlife Crime und Mitherausgeber (mit Jo-Anne McArthur) und Autor von "Hidden: Animals in the Anthropocene", dem Fotobuch des Jahres 2020. Keith ist Gründungsherausgeber der Zeitschriften Outdoor Photography und Wild Planet, Fellow der Royal Geographical Society und ein gefragter Redner auf Fotofestivals und an Universitäten.

Arturo de Frías ist ein Wildtierfotograf mit mehr als 25 Jahren Erfahrung, spezialisiert auf die Polar- und Unterwasserwelt. Seine Bilder wurden in zahlreichen Büchern, Medien und Magazinen (National Geographic) auf der ganzen Welt veröffentlicht und bei mehreren renommierten internationalen Wettbewerben ausgezeichnet. Arturo hat sechs Bücher über Naturfotografie veröffentlicht, die sich sowohl in Spanien als auch im Ausland in Tausenden von Exemplaren verkauft haben. Arturo ist Gründer und Präsident der ADF-Stiftung für nachhaltige Entwicklung, die sich für ein nachhaltigeres Entwicklungsmodell einsetzt und mehrere philanthropische Projekte in Lateinamerika und Spanien leitet.

Das Werk "The Evidence Project" ist hier erhältlich und kann nach Voranmeldung während den Öffnungszeiten auch in der TIR-Bibliothek eingesehen werden, wo Lese- und Arbeitsplätze zur Verfügung stehen. Aktuelle Neuzugänge in der TIR-Bibliothek werden jeweils im Newsletter TIR-Bibliothek vorgestellt.

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