Stopp Pelz!

Obwohl hinlänglich bekannt ist, dass die Herstellung von Pelzprodukten für die betroffenen Tiere mit grossen Qualen verbunden ist, werden in der Schweiz nach wie vor zahlreiche entsprechende Erzeugnisse verkauft. Im Vordergrund stehen dabei nicht die klassischen Pelzmäntel, sondern vielmehr Bordüren an Jacken, Stiefeln oder Mützen.

Obwohl die Mehrheit der Schweizer Bevölkerung die brutalen Haltungs-, Fang- und Tötungsmethoden von Pelztieren klar ablehnt, sind Jacken mit Pelzkragen in den Wintermonaten auch hierzulande keine Seltenheit. Die Gewinnung der Felle ist seit den Achtzigerjahren allerdings nicht tierfreundlicher geworden – im Gegenteil. Seit Asien ein bedeutender Exporteur von Pelzprodukten geworden ist, hat sich die Tierschutzbrisanz sogar noch verschärft. Aktuelles Bildmaterial zeigt klar: Die Pelzherstellung ist für die betroffenen Tiere nach wie vor mit massiven Qualen verbunden. Pelz wird heute in grossen Massen billig produziert und ist daher erschwinglich geworden. Er dient fast nur noch zur Verzierung von Textilien und modischen Accessoires. Dadurch wird Echtpelz oft gar nicht wahrgenommen und das immense Tierleid dahinter nicht erkannt.

Zwar besteht seit 2014 eine Deklarationspflicht für Pelzprodukte. Die von der entsprechenden Verordnung (in Kraft seit März 2013) geforderten Angaben sind jedoch äusserst schwammig und sorgen bei vielen Kunden eher für Verwirrung als für Klarheit. Ausserdem zeigen auch die Evaluationen des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV), dass ein Grossteil der zum Verkauf angebotenen Pelzprodukte nicht korrekt deklariert wird. Als verantwortungsbewusster Konsument verzichtet man aber ohnehin am besten vollständig auf Pelzwaren.

Um zu verhindern, dass Produktionsformen im Ausland, die bei einer grossen Mehrheit der Schweizer Bevölkerung aus ethischen Gründen auf Ablehnung stossen, nicht durch eine entsprechende Nachfrage in der Schweiz gefördert werden, wäre ein Importverbot für tierquälerisch hergestellte Pelzprodukte dringend geboten. Ein 2009 von Ständerätin Pascale Bruderer Wyss (SP/AG) eingereichter Vorstoss für ein solches Pelzimportverbot wurde bedauerlicherweise 2011 vom Ständerat abgelehnt. 2015 stimmte der Ständerat einem von Pascale Bruderer Wyss mit Unterstützung der TIR ausgearbeiteten Vorstoss zu, mit dem der Bundesrat beauftragt wurde, Alternativen zur Deklarationspflicht – insbesondere ein Import- bzw. Vermarktungsverbot – zu prüfen.

Winterjacken mit Pelzbesätzen

Die TIR hat in diesem Zusammenhang ein Gutachten zuhanden des BLV erstellt, in dem sie aufzeigt, dass weder ein Import- noch ein Vermarktungsverbot mit den internationalen Pflichten der Schweiz kollidieren würde.

Im Mai 2018 veröffentlichte der Bundesrat in Erfüllung seines parlamentarischen Auftrags einen Bericht zur Pelzdeklarationspflicht. Dieser erwies sich jedoch als höchst unbefriedigend: Von einer echten Prüfung von Alternativen zur Deklarationspflicht kann nicht gesprochen werden, vielmehr stellt der Bericht im Wesentlichen auf eine Umfrage zur Deklarationspflicht bei Schweizer Pelzverkaufsstellen ab. Am Ende des Berichts zog der Bundesrat einige Änderungen der bestehenden Deklarationspflicht in Erwägung, die in der Folge dann auch definitiv beschlossen wurden und im April 2020 in Kraft getreten sind.

Im Dezember 2019 reichte Nationalrat Matthias Aebischer (SP/BE) eine Motion für ein Importverbot für tierquälerisch erzeugte Pelzprodukte ein, an deren Ausarbeitung die TIR massgeblich beteiligt war. Nachdem sich der Nationalrat zunächst noch mit 144:31 Stimmen für die Annahme des Vorstosses ausgesprochen hatte, wurde dieser im Mai 2022 vom Ständerat mit 25:19 definitiv abgelehnt. Ein zentrales Argument für die Ablehnung war, dass der Effekt der 2020 erfolgten Anpassung der Pelzdeklarationsverordnung zunächst abgewartet werden müsse, bevor weitere Massnahmen ergriffen würden. Der Bericht des BLV über die Kontrollen im Winter 2021/2022 zeigt jedoch, dass nach wie vor zahlreiche Pelzprodukte gar nicht oder nicht korrekt deklariert werden.

Im Juni 2022 hat die Alliance Animale Suisse die Initiative "Ja zum Importverbot für tierquälerisch erzeugte Pelzprodukte" lanciert. Diese wird von zahlreichen Tierrechts- und Tierschutzorganisationen, darunter auch die TIR, unterstützt.

Im April 2023 gab der Bundesrat bekannt, dass er ein Importverbot für tierquälerisch erzeugte Pelzprodukte prüfen möchte und das Eidgenössische Departement des Innern (EDI) damit beauftragt habe, bis Ende März 2024 eine entsprechende Vernehmlassungsvorlage auszuarbeiten. Bereits in der parlamentarischen Debatte zur Motion Aebischer hatte Bundesrat Alain Berset angekündigt, dass der Gesamtbundesrat hinsichtlich des Nutzens der Deklarationspflicht Bilanz ziehen wolle und danach – je nach Ergebnis – allenfalls ein Importverbot erwägen würde. Dies war allerdings erst für das Jahr 2024 vorgesehen. Als Grund dafür, dass er nun doch bereits jetzt ein Einfuhrverbot in Betracht zieht, nannte der Bundesrat in seiner entsprechenden Medienmitteilung insbesondere den Umstand, dass die Branche die Deklarationspflicht für Pelzprodukte trotz mehrerer Kontaktaufnahmen, Verwarnungen und Bussen seitens des Bundes nach wie vor nur mangelhaft umsetze. Die TIR wird den Gesetzgebungsprozess aufmerksam verfolgen und sich im in jedem Fall am Vernehmlassungsverfahren beteiligen.

Mütze mit Pelzbommel

TIR Rechtsgutachten:

Initiative:

Parlamentarische Vorstösse:

Behördenberichte:

TIR-Informationen:

TIR-Newsmeldungen:

Medienecho:

Kampagne "Stopp Pelz!"

Um die Öffentlichkeit auf die mit der Pelzproduktion verbundene Tierschutzproblematik aufmerksam zu machen, haben verschiedene Organisationen auf Initiative von petfinder.ch hin eine weitreichende Plakat-Kampagne lanciert. Rund 2'500 Plakate sind in allen Jahreszeiten, zu unterschiedlichen Zeiten und in drei Landessprachen schweizweit zu sehen. Weitere Kampagnenpartner sind: die Fondation Franz Weber, die Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner, der Zürcher Tierschutz, animal-happyend.ch, Verein für Tiere in Not, Vier Pfoten und die Susy Utzinger Stiftung für Tierschutz.

2018

2017

Stopp-Pelz-Kampagne

Die Stopp-Pelz-Kampagne wurde auf Initiative von Animal Trust von mehreren Schweizer Tierschutzorganisationen ins Leben gerufen. Ziel der Kampagne ist es, die Öffentlichkeit für das massive Leid der für die Pelzproduktion verwendeten Tiere und die Probleme, die mit der Herstellung und dem Handel von Fellen verbunden sind, zu sensibilisieren.